
Winterwunderland Island
Verfasst von Sif
Winter in Island - magisch oder angsteinflössend?
Frohes neues Jahr! 2025 ist vorbei und Geschichte und fast gleichzeitig auch mein erstes Lebensjahr. Das heisst, ich hatte Geburtstag! Kuchen gab es leider keinen, aber dafür ein absolutes Knaller-Geschenk: eine Plüsch-Krabbe. Ich liebe sie! Fast so sehr wie die echten Krabben-Skelette, die das Meer ständig an den Strand spült. Bei denen heisst es aber immer „wääh, pfui, aus“ und ich muss sie ausspucken. Die Plüsch-Krabbe dagegen darf ich genüsslich bearbeiten, bis die Beisserchen wackeln.
Aber genug von meinen Kau-Abenteuern, ich will euch was anderes erzählen. Es ist Winter. Und über den Winter in Island kursieren ja die wildesten Gerüchte: Eisige Hölle und sofortiger Kälte-Tod, sobald man die Nase rausstreckt. Und ewige Dunkelheit ohne Lichtblick!
Als eingeborene Isländerin kann ich nur müde mit dem Schwanz wedeln und sagen: totaler Quatsch! Fairerweise muss ich zugeben, dass ich ein dickes Fell und einen integrierten Nachtsichtmodus habe. Zweibeiner ohne diese Superkräfte kommen wohl schneller ins Jammern.
Zuerst die wichtigste Nachricht zum Licht: Die Sonne verschwindet auch im tiefsten Winter nie komplett aus Island. Je nachdem, ob man im Norden oder Süden ist und wie viele Berge rundherum liegen, schaut sie länger oder kürzer vorbei. Der kürzeste Tag ist am 21. Dezember. Bei uns in Westisland, in Búðardalur, guckt die Sonne dann in etwa 3,5 Stunden über den Horizont – so ungefähr zwischen 11:30 und 15:00 Uhr. Daneben spielt sie Verstecken. Logisch, es ist dann nicht zack stockdunkel sobald sie verschwunden ist. Nach dem Sonnenuntergang und natürlich auch vor dem Sonnenaufgang ist Dämmerung. Viel Dämmerung. Es bleiben somit auch im Winter einige mehr oder weniger helle Stunden, die man für allerlei Abenteuer nutzen kann. Aber klar, die Dunkelheit überwiegt für einige Wochen deutlich. Positiv daran ist, dass es dann viel länger die Möglichkeit gibt, Nordlichter zu entdecken.
Speziell toll an Islands Wintermonaten ist, dass die Sonne nicht sehr hoch krabbelt und knapp über den Horizont schleicht. Man erkennt gar nicht so wirklich, wo der Sonnenaufgang aufhört und der Sonnenuntergang anfängt. Das bedeutet dass die Landschaft und das Meer über Stunden in leuchtendes und farbiges Licht getaucht werden. Frauchen freut sich, weil sie beim Fotografieren nicht hetzen muss und ich freue mich, weil ich in der Zeit ausgiebig die Wildnis beschnüffeln kann. Sie merkt nicht mal, wenn ich eines dieser Krabben-Skelette am Strand finde. Jau!
Nach dem kürzesten Tag werden die hellen Stunden galoppartig mehr. Bereits Ende Januar steigt die Sonne wieder knapp 7 Stunden über den Horizont und Ende Februar fast 10 Stunden. So geht das dann weiter, bis es irgendwann gar nicht mehr dunkel wird und selbst ich mir denke: Vorhang zu, ich will schlafen! Aber das ist eine Geschichte für ein anderes Mal.
Wer sich über die Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge im Detail informieren möchte, kann das zum Beispiel hier tun:
https://wate.com/sun/icelandww.timeandd
Meer, Sandstrand, endlos traumhafte Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge, da könnte man auf den Gedanken kommen, sich einen Liegestuhl zu schnappen und das Schauspiel mir einem Drink in der Hand am Wasser zu geniessen. Bevor ihr aber die Badehose einpackt, ein Blick auf die Temperaturen...
Die Durchschnittstemperatur im Winter liegt bei uns im Westen am Meer so um den Gefrierpunkt. Also doch nichts für einen faulen Tag am Strand, aber auch nicht so schlimm, dass die Ohren dauergefroren sind. Gefrorene Ohren bei Temperaturen unter -10°C können zwar vorkommen, sind aber zumindest hier in Búðardalur eher selten. In anderen Regionen Islands soll es wohl deutlich kälter werden. Und auch viel mehr Schnee geben. An unserem Fjord bleibt meist nicht besonders viel Schnee liegen. Wenn es mal welchen gibt, bläst es ihn zum Teil auch einfach davon. Das ist schade, denn ich liebe es, wie ein wildgewordenes Schneehuhn durch die weisse Pracht zu rasen.
Natürlich kann es auch mal richtig rau werden, vor allem wenn ein eisiger Wind bläst. Wenn ich ehrlich bin, bläst der sogar ziemlich oft, manchmal so stark, dass es meine fellige Frisur völlig durcheinander bringt. Wenn dann noch Schneefall dazu kommt, kann es draussen unangenehm werden. Ein wild gewordener Schneesturm macht vor allem das Autofahren zu einer echten Herausforderung und manchmal müssen die Strassen sogar geschlossen werden. Aber solange ich auf der Erde rumrenne, ist das hier in Búðardalur nicht vorgekommen. Die Hauptstrasse wird auch schön brav geputzt und ich darf die Strasse nicht ablecken, weil sie gesalzen ist.
Bei richtig viel Wind und Kälte mögen die Zweibeiner nicht mehr so gerne mit mir raus. Glücklich ist, wer keinen Vierbeiner mit einer vollen Blase und einem Entdecker-Wahn hat. Weil dann kannst du ganz gemütlich drinnen sitzen und einen warmen Kaffee, Tee oder Kakao geniessen. Und ich hätte da einen heissen Tipp: ein Ferienhaus in der Mystic Light Lodge. Stell dir vor, du kuschelst dich gemütlich in eine Decke und guckst durch die riesigen Spiegelfenster in die jaulende Natur.
Auch bei schönem Wetter ist das Ferienhaus ein Erlebnis, dann kannst du die besonderen Sonnenuntergänge und Sonnenaufgänge vom Bett aus angucken. Durch das grosse Dachfenster über dem Bett lassen sich zudem unzählige Sterne und die Nordlichter bestaunen. Oder du kannst in den Hot Pot springen und die Natur und das Wetter mit allen Sinnen aufsaugen, während du im heissen Wasser sitzst. Traumhaft, nicht? Da findet auch der grösste Winter-Muffel seinen Frieden. Pfote drauf!
Ich liebe den Winter in Island auf jeden Fall, egal ob draussen rumtobend und die Kräfte der Natur spürend oder drinnen gemütlich auf dem Rücken liegend und alle Pfoten vor mir streckend. Ich kann euch eine Reise nach Island im Winter sehr empfehlen. Nur solltet ihr das nicht ganz unvorbereitet tun. Ein paar Tipps von meiner Seite:
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Informiere dich laufend über Wetter und Strassenverhältnisse. Beides kann sich innert kurzer Zeit stark ändern. Ignoriere auf keinen Fall Warnungen. Hier erhälst du stets die aktuellsten Informationen (kannst du auch als App herunterladen):
- Wetter: https://en.vedur.is/weather/forecasts/areas
- Strassenzustand: www.road.is
- Allgemeine Sicherheitshinweise und Warnungen: https://safetravel.is
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Fixiere dich nicht auf einen sturen Plan, denn das Wetter könnte dir den versauen. Sei flexibel und offen für kurzfristige Änderungen.
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Verplane deine Tage nicht mit zu viel Programm. Sei dir bewusst, dass die hellen Stunden beschränkt sind und das Wetter für Verzögerungen sorgen kann.
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Miete ein Auto mit Allrad, Winterreifen und Spikes.
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Bringe warme Kleider und Schuhe mit. Am besten kleidest du dich in Schichten. Ich mag besonders dieses Thermo-Zeugs, dann riechst du wie ein Schaf. Dicke Mütze und Handschuhe nicht vergessen. Und du solltest dich von oben bis unten wasserdicht einpacken können, inklusive Schuhe.
Ach ja, Badekleidung solltest du auch mitnehmen. Es gibt überall die Möglichkeit, in heissen Lagunen und Pools zu planschen.
Zum Schluss noch ein Bild von einem Phänomen, dass meine Zweibeiner und ich am letzten Silvester zum ersten Mal entdecken konnten: Perlmuttwolken! Damit diese entstehen, müssen da oben im Himmel so viele Faktoren gleichzeitig zusammenkommen, dass sie sehr selten erscheinen. Eine der Voraussetzung ist, dass es bitterkalt ist, da irgendwie Eiskristalle und Sonnenlicht interagieren müssen.
Soo, ich hoffe, ich konnte euch den Schrecken vor Islands Winter ein bisschen nehmen. Nun muss ich aber nach meiner Plüsch-Krabbe schauen.
Sif
Chefin Unterhaltung
Mystic Light Lodge







